Neues Saatgut und immer mehr Pestizide sollten die Pflanzer*innen in Misiones im Nordosten Argentiniens laut Anweisung der Rohtabakfirmen benutzen. Über die Risiken klärte sie niemand auf. Deswegen klagen über 120 Familien vor einem US-amerikanischen Gericht gegen die Tabak-Konzerne, aber auch gegen die Firmen, die die Pflanzenschutzmittel verkaufen.

Braune, vertrocknete Pflanzen ohne Roundup Power Max, aber sattes Grün, wenn das Herbizid angewendet wurde. So anschaulich zeigt die Werbebroschüre den Nutzen des Unkrautvernichtungsmittels, dessen Wirkstoff vor allem das Phosphonat Glyphosat ist.

Argentinische Tabakpflanzer*innen im Bundesstaat Misiones im Nordosten des Landes haben sehr schlechte Erfahrungen mit Roundup und ähnlichen Produkten gemacht. Die Gifte des Herbizids führten zu Schäden an ihren ungeborenen Kindern. Dazu gehören Epilepsie, angeborene Herzfehler, Blindheit und Stoffwechselstörungen.

Deswegen haben 120 Familien aus Misiones am 6. April vor dem Amtsgericht des Bezirks New Castle im US-amerikanischen Delaware sowohl gegen den Hersteller von Roundup, Monsanto, als auch gegen den Tabak-Konzern Philip Morris und einige seiner Tochterfirmen sowie gegen mehrere Rohtabak-Konzerne geklagt. Vertreten werden die Kläger*innen von der us-amerikanischen Kanzlei Bifferato.

Gentechnisch veränderter Tabak statt herkömmlichen Saatguts

Die Pflanzer*innen werfen den Konzernen vor allem mangelnde Information und somit absichtliche Fahrlässigkeit vor. Vertreter*innen des Rohtabak-Konzerns Tabacos Norte hätte ihnen statt des in Nordargentinien heimischen neues, genmanipuliertes Saatgut verkauft, so die Kläger*innen. Dieses ist gegen Glyphosat resistent, braucht aber laut der Pflanzer*innen große Mengen an Herbiziden und Pestiziden. Diese hätten sie ohne ausreichenden Schutz in großen Mengen aufgetragen und somit sich selbst und ihre Kinder geschädigt.

Tabacos Norte, von der die Familien die Pflanzenschutzmittel bekommen hatten, wurde 1984 von Philip Morris und Carolina Leaf gegründet und wird laut der Anklageschrift von diesen beiden Firmen kontrolliert. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Misiones, dem Hauptanbaugebiet von Burley-Tabak in Argentinien. Es sind meistens Kleinbauern, die den Tabak pflanzen, ernten und an die Rohtabakfirmen verkaufen. Zugleich ist Misiones eine der ärmsten Provinzen des Landes.

Leseempfehlungen:

Text der Klage: http://www.courthousenews.com/2012/04/10/Argentina.pdf

Studie zu gentechnisch veränderten Tabakpflanzen: http://openwetware.org/wiki/840.119:Developing_Glyphosate_Resistance_in_Tobacco_Plants_(Jaime_and_Hanna)

Braune, vertrocknete Pflanzen ohne Roundup Power Max, aber sattes Grün, wenn das Herbizid angewendet wurde. So anschaulich zeigt die Werbebroschüre den Nutzen des Unkrautvernichtungsmittels, dessen Wirkstoff vor allem das Phosphonat Glyphosat ist.