UPDATE: Mittlerweile hat sich die NGO Center for Strategic Research and Development of Georgia (CSRDG) von Japan Tobacco International (http://new.csrdg.ge/6155-2/):

„CSRDG is strictly against of any support or promotion of tobacco, its consumption or production. …CSRDG is not financially, in any manner, tied to Japan Tobacco International and has never received from them any kind of support, any direct or indirect assistance and neither intend to in the future. JTI has never sponsored any of our activity.

Sponsoring ist ein wichtiges Marketinginstrument der Tabakindustrie. Tabakunternehmen versuchen, ihr negatives Bild in der Öffentlichkeit zu korrigieren, indem sie als großzügige Unterstützer von Veranstaltungen wie Musikfestivals oder Ausstellungen auftreten. In Deutschland finanziert beispielsweise die Philip Morris GmbH öffentlichkeitswirksam Parteitage der CDU, CSU, SPD und FDP.

Imagekampagnen dieser Art sind für Tabakunternehmen notwendig geworden, denn das Bild dieser Industrie hat in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind weithin bekannt. Auch das Bewusstsein für die negativen Folgen im Tabakanbau wie z.B. der Einsatz von Kinderarbeit, nimmt in der Gesellschaft zu. Für die Tabakindustrie wird der Spielraum beim Verkauf von Zigaretten oder bei der Werbung durch zunehmende Tabakkontrolle immer enger. Obwohl diese Firmen immer noch hochprofitabel sind, ist ihre Gewinnmarge durch die sinkende Zahl an Raucher*innen und durch Maßnahmen der Tabakkontrolle bedroht.

Auch Japan Tobacco International, fünftgrößter Tabakkonzern der Welt, arbeitet daran, sein negatives öffentliches Bild zu korrigieren. Auf der Firmenwebseite und in Nachhaltigkeitsberichten wirbt der Konzern damit, die Menschenrechte zu respektieren, und gibt vor, sich an den Sustainable Development Goals der UN (SDGs) zu orientieren. Diese Ansprüche sind allerdings eher eine Vereinnahmung der SDGs als eine echte Transformation[1], denn das Geschäftsmodell schädigt Mensch und Umwelt und steht den SDGs diametral entgegen.[2]

In Georgien ist Japan Tobacco International nun als Partner eines für Journalist*innen ausgelobten Medienpreises im Bereich Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR) in Erscheinung getreten.[3] Insgesamt fünf georgische Journalistinnen wurden als „Journalists for Corporate Social Responsibility 2019“ geehrt. Der Preis wurde von der renommierten NGO Center for Strategic Research and Development of Georgia (CSRDG) vergeben. CSRDG setzt sich für die wirtschaftliche Entwicklung in Georgien ein und will die Zivilgesellschaft stärken. Die NGO wird u.a. aus EU-Mitteln und von Brot für die Welt finanziert.[4]  Der Preis wurde am 18. Februar 2020 im Rahmen des CSRDG- Programms “Georgian Civil Society Sustainability Initiative” vergeben, das von der Europäischen Union und der Konrad Adenauer Stiftung kofinanziert wird.[5]

Japan Tobacco International hat im Rahmen der Preisvergabe zwei weitere Journalist*innen nominiert, die auf Kosten des Unternehmens am European Publishing Congress in Wien teilnehmen. Hier werden sich Vertreter*innen der Medienbranche im Oktober 2020 über Trends in den Medien austauschen. Japan Tobacco International Rumänien ist dort auch als Gewinner im Bereich „European Corporate Media Award“ aufgeführt.[6] Der rumänische Zweig des Unternehmens hat ein ähnliches Programm zur Finanzierung von Journalist*innen in Rumänien.[7]

Im Mai 2018 ist in Georgien allerdings ein Gesetz in Kraft getreten, welches Werbung, Sponsoring und die allgemeine Vermarktung von Tabakprodukten verbietet.[8] Zudem widersprechen Sponsoringaktivitäten dem Geist der WHO-Tabakkontrollrahmenkonvention. In Artikel 13 verpflichten sich die Vertragsstaaten auf ein umfassendes  Verbot aller Formen von Tabakwerbung sowie der Förderung des Tabakverkaufs und des Tabaksponsorings.[9]

Georgien ist seit 2006 Vertragsstaat der WHO-Tabakrahmenkonvention (FCTC), bleibt jedoch eines der Länder in Europa mit den höchsten Raucherquoten, 31% der georgischen Bevölkerung rauchen. 11.400 Menschen sterben dort jährlich durch Tabakkonsum, davon 2.100 allein durch Passivrauchen.[10]

Zudem hat Georgien ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union geschlossen, um mittels einer engeren Anbindung langfristig Mitglied der EU zu werden. Das bedeutet, dass Georgien noch nicht unmittelbar den Richtlinien der EU unterliegt, z.B. im Bereich der Tabakkontrolle. Die EU empfiehlt allerdings ihren Partnern aus den Assoziierungsabkommen die Anwendung  ihrer eigenen Richtlinien, auch im Bereich der Tabakkontrolle und des Sponsoring.

Das FCTC Implementation and Monitoring Center in Georgia überwacht die Umsetzung der WHO-Tabakrahmenkonvention in Georgien. Sie hat die staatlichen Behörden in Georgien mittlerweile über die Zusammenarbeit zwischen CSRDG und JTI informiert und eine Presseerklärung dazu veröffentlicht.[11] Die Behörden können eine Strafe in Höhe von bis zu 1.700 US Dollar für Sponsoringaktivitäten durch die Tabakindustrie verhängen.

Bei einem Treffen zwischen dem FCTC Implementation and Monitoring Center und CSRDG wurden die rechtlichen Konsequenzen einer Partnerschaft mit der Tabakindustrie verdeutlicht, wie das FCTC Implementation and Monitoring Center Unfairtobacco in einer Email mitteilte. Zudem wurde CSRDG aufgefordert, sich öffentlich von JTI zu distanzieren und die Zusammenarbeit zu beenden. CSRDG äußerte sich besorgt über die Vorgänge und zeigte sich aufgeschlossen, sich öffentlich zu distanzieren, was bislang noch nicht erfolgt ist. Laut CSRDG wurden keine Spenden von JTI angenommen.

Laut FCTC Implementation and Monitoring Center hat die Tabakindustrie in Georgien enge Beziehungen zur Regierung und nutzt diesen Einfluss für ihre Geschäfte. Öffentliche Sponsoringaktivitäten finden jedoch nur noch selten statt.


Weiterführende Informationen:

Georgia Today (2020): Winners of Media Competition ‚Journalists for CSR 2019‘ Awarded.

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