Vielversprechende Zukunft ohne Tabak
Tabakfarmer*innen in Kapinga, Kasungu Distrikt, Malawi sind den Schritt heraus aus dem Tabakanbau gegangen und bauen nun Nahrungsmittel an.
Zum ArtikelAls 2005 die Subventionen für den Tabakanbau spürbar gekürzt wurden, musste Familie Stiegler im bayerischen Franken, die davor zehn Jahre lang Tabak angebaut hatte, umdenken. 2006 fing die Familie an, Haselnüsse anzupflanzen und mit über vierzig verschiedenen Sorten zu experimentieren, zunächst auf 2 Hektar.[1]
Der Sohn der Familie stieg ein paar Jahre später mit ein, und gründete 2013 zusätzlich den Betriebszweig der Weiterverarbeitung, Veredelung und Direktvermarktung von Haselnussprodukten. Dazu gehörte eine Rösterei, weitere Infrastruktur zur Verarbeitung und ein Hofladen.[2, 3]
2017 folgte die Umstellung auf ökologischen Landbau und nachhaltiges Wirtschaften. Heute werden Haselnüsse auf 9 Hektar angebaut, und die eigenen sowie zugekaufte Haselnüsse aus der Region verarbeitet. Die Nüsse werden vor Ort gewaschen, getrocknet, sortiert, geknackt, handverlesen. Es entstehen daraus geröstete Nüsse, Aufstriche, Nussnougat, Haselnussöl und weitere Nuss-Produkte. Auch die Schalen werden verwertet – daraus werden Grillkohlebriketts und Rindenmulch hergestellt. Die Vermarktung geschieht über den Hofladen, einen Onlineshop und regionale Partner in Gastronomie und Handel.[4]
Seit 2019 gibt es außerdem zwei versetzbare Mobilställe mit insgesamt etwa 1.600 Hühnern, die durch die Haselnussreihen laufen können. Diese sind Teil eines ausgeklügelten ökologischen Systems: Da beim ökologischen Anbau ohne chemischen Pflanzenschutz gearbeitet wird, sind hier die Hühner im Einsatz gegen Schädlinge. Sie picken und fressen die Larven des Haselnussbohrers auf, des größten Schädlings im Haselnussanbau, und halten so dessen Populationsdichte geringer.[5] Nebenbei düngen sie dabei die Böden und haben selbst immer Auslauf und Schutz vor Raubvögeln unter den Bäumen. Abends können sie sich in ihren Stall zurückziehen und bekommen ökologisch erzeugtes Futter, zum Teil auch aussortierte Haselnüsse.[6, 7] Gleichzeitig werden die ökologischen Eier und auch Suppenhühner vermarktet. In Jahren mit großem Ernteausfall bei den Haselnüssen, wie 2022, waren sie wirtschaftlich überlebenswichtig.[1]
Weitere nachhaltige Investitionen sind die Errichtung eines Regenrückhaltebeckens, um unabhängiger von Niederschlag zu werden, eine Photovoltaik-Anlage über den Haselnussreihen ist in Planung, und auch die Nutzung von Wasserstoff zur Speicherung von Solarstrom wird geprüft.[1]
In den Wintermonaten werden Führungen angeboten, die Einblicke in den Haselnuss-Anbau, die Verarbeitungskette und die Rösterei gewähren.[8]
Die Haselnuss-Idee wird auf dem Hof mit viel Überzeugung und Engagement umgesetzt. Jede Generation bringt sich ein, mit eigenen Ideen und Zuständigkeiten. Vom Anbau bis zu den Endprodukten liegen im Familienbetrieb alle Arbeitsschritte in eigener Hand, und das bedeutet sehr viel Arbeit. Die nach wie vor rückwärtsgewandte Agrarpolitik mit den überwiegend nach dem Gießkannenprinzip funktionierenden Agrarsubventionen unterstützen weder den ökologischen Landbau noch den Haselnussanbau.[9]