Tabakkonsum
In Mexiko rauchen 15,6 % aller Einwohner*innen über 15 Jahren. Hervorzuheben ist hier der große Unterschied zwischen Rauchern (24,3%) und Raucherinnen (7,4%).[1] Dies kommt dadurch, dass Rauchen bei Männern in Mexiko gesellschaftlich akzeptierter ist, als bei Frauen.[2] Gleichzeitig rauchen 19,8% aller Jugendlichen zwischen 13 und 15 Jahren regelmäßig. Jährlich sterben in Mexiko mehr als 60.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, das sind 170 Menschen pro Tag.[3] Die wirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums werden jährlich auf 116,1 Mrd. Mexikanische Pesos geschätzt (etwa 6,6 Mrd. Euro).[4]
Tabakanbau
In Mexiko wird laut FAO auf 7.276 Hektar Land Tabak angebaut (Stand 2024). Ein Großteil des Tabaks wird im Bundesstaat Nayarit produziert, wo British American Tobacco (BAT) den Tabak von rund 3.700 Hektar kauft.[5] Die Arbeitsbedingungen sind dabei oft prekär.[6] Die meisten Tabakarbeiter*innen stammen aus den indigenen Gemeinschaften Nayarits, die zu den ärmsten und am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen des Landes gehören. Aufgrund fehlender Schutzkleidung erkranken sie häufig an der Grünen Tabakkrankheit. Darüber hinaus wurde ausbeuterische Kinderarbeit nachgewiesen, auch auf Plantagen, die British American Tobacco und Philip Morris International beliefern. Aufgrund wiederholter Beschwerden darüber haben beide Unternehmen begonnen, Schulen und Bildungsprogramme im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility (CSR) Programme mitzufinanzieren, offiziell mit dem Ziel, Kinderarbeit zu verhindern. Untersuchungen zeigen jedoch, dass auf einem großen Teil der Tabakplantagen weiterhin Kinder arbeiten.[7]
Tabakindustrie
Der Zigarettenmarkt in Mexiko wird von Philip Morris International (PMI), BAT und Japan Tobacco International (JTI) bestimmt. Dabei dominiert PMI mit einem Marktanteil von 65%.[8] Dementsprechend groß ist auch der Einfluss der Konzerne auf die Politik. Vertreter*innen aller drei Konzerne waren maßgeblich daran beteiligt, Gesetzesentwürfe zur Verringerung des Tabakkonsums zu verlangsamen. Hervorzuheben ist hierbei neben klassischem Lobbyismus auch die Organisation von Foren, bei denen Vertreter*innen der Tabakindustrie und Politiker*innen zusammenkamen.[9] Im April 2025 veranstaltete beispielsweise der mexikanische Bildungsminister eine Konferenz für gesunde Ernährung in Schulen zusammen mit dem Verband der Konsumgüterindustrie, in dem die Tabakindustrie auch vertreten ist.[10] Dabei hat Mexiko das WHO-Tabakrahmenabkommen (WHO FCTC) ratifiziert, welches solche Treffen untersagt. In der lateinamerikanischen Region ist Mexiko dennoch das Land mit der geringsten Einflussnahme durch die Tabakindustrie.[11]
Aber nicht nur die Industrie verdient am Tabakgeschäft, auch kriminelle Kartelle profitieren davon. Die mexikanische Regierung schätzt, dass der illegale Handel in Mexiko ein Gesamtvolumen von 25 Mrd. US-Dollar hat. 30% davon entfallen auf den illegalen Handel mit Zigaretten, der in den letzten Jahren von mexikanischen Kartellen als Geschäfts- und Geldwäscheoption ausgebaut wurde.[12]
Nichtsdestotrotz hat Mexiko in der Vergangenheit mehrere Gesetze verabschiedet, mit dem Ziel, den Tabakkonsum zu verringern. Seit 2023 gilt zum Beispiel das Werbeverbot für Tabakprodukte in sozialen Medien sowie das Rauchverbot an öffentlichen Orten.[13]
Organisationen für Tabakkontrolle
Salud Justa ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für öffentliche Gesundheit engagiert. Im Bereich der Tabakkontrolle führt sie Aufklärungskampagnen zum Tabakkonsum und über die Tabakindustrie durch und setzt sich politisch für mehr Tabakkontrolle ein.
Mexiko Saludhable ist eine Koalition von über 100 Gesundheitsorganisationen, die sich für die Prävention von nicht-übertragbaren Krankheiten einsetzt, auch im Bereich der Tabakkontrolle.
Beide Organisationen erhielten 2023 gemeinsam den WHO World No Tobacco Day Award.[14]
Bevölkerung
130,8 Mio. Einwohner*innen (2024)
Human Development Index Rang
Platz 81 von 193 (2023)
Welthunger-Index
Platz 31 von 123 (2025)
Bruttonationaleinkommen
12.850 US-Dollar pro Kopf (2024)
Status WHO-Tabakrahmenkonvention (FCTC)
Unterzeichnet und ratifiziert
Tabakanbaufläche
7.276 Hektar (2024)
Raucher
24,3 % (2023)
Raucherinnen
7,4 % (2023)
jugendl. Raucher*innen
19,8 % (13-15 Jährige, 2011)
Quellen
Weltbank, HDI, GHI, FAO, WHO