Pilze aus der Tabakscheune
In Simbabwe fördert das Programm Utariri den Ausstieg von Farmer*innen aus der „Tabakfalle“ hin zu klimafreundlichen Alternativen. Dazu gehören Austernpilze, Getreide und die Bienenzucht.
Zum ArtikelGastbeitrag von Loreen MUPASIRI
Oktober 2026 – Harare, Simbabwe (Englisches Original)
Im Bezirk Hurungwe im nördlichen Simbabwe zeigt eine kleine Geschichte aus der Landwirtschaft, wie eine Abkehr vom Tabakanbau in der Praxis aussehen kann.
Fünf Jahre lang war Mikirina, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern aus Hurungwe, Simbabwe, auf den Tabakanbau angewiesen, um ihr Einkommen zu sichern. Doch irgendwann rechnete sich das Geschäft nicht mehr. Der Gewinn stand in keinem Verhältnis zu der Energie, die sie in den Anbau investierte, und anhaltende Dürren wirkten sich negativ auf die Ernteerträge aus.
Abhilfe schaffte das Utariri-Programm, das von DanChurchAid (DCA) in Kooperation mit der Swedish Development Agency (SIDA) durchgeführt wurde. Das Programm unterstützte Farmer*innen dabei, ihre Lebensgrundlagen durch klimafreundliche Alternativen zu diversifizieren, unter anderem durch Schulungen zum Pilzanbau und die Bereitstellung von Starter-Kits für die Pilzzucht. Nach dem Ende des Utariri-Programms nahm das Ushingi-Projekt des Zimbabwe Resilience Building Fund (ZRBF2) die Pilzzüchter*innen auf. Ushingi baut auf den bereits erzielten Fortschritten auf, indem es Schulungen zur Wertschöpfung und Unternehmensentwicklung anbietet. Ushingi wird von einem Konsortium lokaler Partner umgesetzt, unter der Leitung von DCA und unterstützt von der Europäischen Union sowie Irish Aid über das UN Entwicklungsprogramm (UNDP).
Die von Ushingi angebotenen Schulungen inspirierten Mikirina dazu, nach Alternativen zu suchen. Sie entschied sich für zwei Tätigkeiten, die weniger arbeitsintensiv waren: Pilzzucht und Imkerei. Das sichtbarste Zeichen dieser Veränderung ist ihre ehemalige Tabakscheune. Anstatt Tabakblätter zu trocknen, dient das Gebäude nun als Produktionsstätte für Pilze.
Der Wandel zeigt bereits konkrete Ergebnisse: Mikirina verdient nun genug Geld, um ihre Kinder zur Schule zu schicken, ihre Familie zu ernähren und in einen Geflügelbetrieb zu investieren, wodurch sie ihre Einkommensquellen diversifiziert. Pilze sind für ihren Haushalt zu einer rentablen Ertragspflanze geworden. Sie haben aus einer ehemaligen Tabakscheune eine Einnahmequelle für Bildung, Nahrung und weitere Investitionen in den Lebensunterhalt gemacht.
Ihre Erfahrung hängt mit einem umfassenderen Wandel zusammen, der derzeit in Hurungwe und anderen Bezirken stattfindet. Immer mehr Landwirt*innen erzielen durch den Pilzanbau hohe finanzielle Gewinne. Zwischen August 2023 und Juni 2025 erzielten Pilzzüchter*innen in ganz Hurungwe einen kumulierten Erlös von 3.775 US-Dollar aus dem Verkauf von 755 kg Frischware zu einem Preis von 5 US-Dollar pro Kilogramm. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass immer mehr Tabakscheunen zu Pilzzentren umgebaut werden.
Der Pilzanbau hat auch einen landwirtschaftlichen Nutzen, da das Pilzsubstrat zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit beim Gemüseanbau verwendet wird. Mit diesen Kenntnissen können Mikirina und andere Landwirt*innen nun schnelle Einnahmen aus der Pilzproduktion erzielen, Ernteabfälle verwerten und das ganze Jahr über Einkommen generieren.
Die Antwort auf die Frage nach Lebensunterhalt und Klimaresilienz nimmt in Hurungwe in einer ehemaligen Tabakscheune Gestalt an. Das Gebäude ist nicht verschwunden, aber sein Zweck hat sich gewandelt. Es steht nun für eine praktische Möglichkeit: die Nutzung vorhandener landwirtschaftlicher Ressourcen, um eine Existenzgrundlage jenseits des Tabakanbaus aufzubauen.